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Ostalbkreis gewinnt Ideenwettbewerb und erhält 120.000 €
Dieser Eintrag stammt von admin Am 6.2.2007 @ 21:13 In Verwaltung | Kommentarfunktion deaktiviert
Aalen/Stuttgart. Das Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg hat, um den Ausbau der Informationsgesellschaft in Baden-Württemberg weiter voranzubringen und um mit Hilfe von Informationstechnologien und neuen Medien strukturelle Nachteile im Ländlichen Raum abzumildern, den Ideenwettbewerb doIT-regional ausgeschrieben. Mit seinem Projekt “OkeH - Ostalbkreis eHealth“ beteiligte sich der Ostalbkreis erfolgreich und erhielt eine Förderung des Landes in Höhe von 120 000 Euro.
Landrat Klaus Pavel und Dr. Sylvia Steingaß vom Geschäftsbereich Gesundheit stellten nun die Ergebnisse des Teilprojektes “Verbesserung der Lebensqualität von Liegepatienten - Dekubitus-Projekt“ im Aalener Landratsamt vor Fachpublikum und interessierten Bürgerinnen und Bürgern vor.
Kernpunkt des Dekubitus-Projektes ist die Vermeidung von Liegegeschwüren bei der Pflege von Liegepatienten. Nach mehreren Erfassungsphasen im Ostalbkreis erhebt auch der Stadtkreis Braunschweig seit 2004 mit dem etwas modifizierten Instrument des Ostalbkreises seine Dekubitusprävalenzen. Das Fraunhofer IAO in Stuttgart hat im Auftrag des Ostalbkreises eine Vergleichsstudie zwischen dem Dekubitusprojekt des Stadtkreises Braunschweig und dem des Ostalbkreises erstellt.
Dr. Barbara Klein, Leiterin des Marktstrategie Teams Public Health am Fraunhofer IAO Stuttgart, präsentierte die Ergebnisse ihrer Studie und betonte, die Ergebnisse der Erhebungen im Ostalbkreis und in Braunschweig seien sehr ermutigend. Die Dekubitusraten liegen deutlich unter den in der Literatur genannten Prävalenzraten von bis zu 30%. Die Ergebnisse für Braunschweig sind mit den Ergebnissen der Stichtagserhebung durch das Fraunhofer IAO für das Bundesland Bayern vergleichbar.
Die der internetgestützten Dekubituserhebung zugrunde gelegten Ziele der nachhaltigen Senkung der Dekubitusraten konnten ebenfalls erreicht werden. Dies zeigt sich darin, dass die niedrigen Prävalenzraten für die Grade II bis IV stabilisiert wurden bzw. in Braunschweig die Rate für alle vier Dekubitusgrade von 3,45 auf 3,01% gesenkt werden konnte.
Transparenz und Benchmarking ergeben sich daraus, dass die Ergebnisse veröffentlicht werden und damit jede Einrichtung ihre Ergebnisse mit der Gesamtsituation in ihrem Landkreis vergleichen kann.
Auch kann durch die Erhebung konkreter Daten der Emotionalisierung des Themas begegnet werden. Die Arbeitsgemeinschaft der Pflegekonferenz Braunschweig kommt zu dem Resultat, dass der Vorwurf, tausende von Patienten würden auf Grund falscher Pflege sterben, “ins Reich der Legenden verwiesen werden“ konnte (Arbeitsgemeinschaft der Pflegekonferenz Braunschweig: 2006b, S. 1).
Dr. Sylvia Steingaß, stellvertretende Gesundheitsdezernentin beim Landratsamt, rief in Erinnerung, das das Projekt im Ostalbkreis mittlerweile drei Preise verliehen bekommen hat: den Qualitätsförderpreis Gesundheit des Landes Baden-Württemberg 2002, den Innovationspreis Ostwürttemberg 2002 für Talente und Patente und den KHK-Stiftungspreis 2003. Dieses führte nochmals zu einem Motivationsschub aller beteiligten Akteure im Landkreis. Mit einem einfach zu handhabenden Erfassungsinstrument sowie damit einher gehenden betrieblichen und überbetrieblichen Qualitätssicherungsmaßnahmen wird im Ostalbkreis erfolgreich und überzeugend auf Landkreisebene Prävention im Bereich Dekubitus betrieben.
Deutlich wird im Stadtkreis Braunschweig, dass die Erhebung des Schweregrades I mit Problemen behaftet ist und er deutlich untererfasst ist. Der Ostalbkreis hat, dies voraussehend, von Beginn an auf die Erhebung des Dekubitusgrades I verzichtet. Das Erfassungsinstrument für Dekubiti auf Excel-Basis wurde nach den Erhebungen in Braunschweig dort jeweils angepasst: Die Erhebung der Gesamtprävalenzrate wurde 2005 in Braunschweig leider eingestellt. Für die Erhebung 2006 werden in Braunschweig nur sogenannte in der Einrichtung erworbene Liegegeschwüre erfasst. Damit verengt sich die Erhebung auf eine Qualitätssicherung der jeweiligen Einrichtungen und erfasst nicht mehr das Gesamtrisiko.
Ohne die Erfassung des Gesamtrisikos im Landkreis wäre aber im Ostalbkreis nicht deutlich geworden, dass in der ambulanten Versorgung bei den versorgenden Angehörigen ein Fortbildungsbedarf besteht. Die Info-Reihe Pflege für pflegende Angehörige und die Info-CD für pflegende Angehörige mit den zusammengefassten Vorträgen der Info-Reihe Pflege wäre nicht zum Tragen gekommen. Dass insgesamt 500 CDs innerhalb kurzer Zeit vergriffen sind und die Dekubitusrate 2006 im ambulanten Bereich deutlich rückläufig ist, zeigt die Notwendigkeit einer Gesamterhebung auf Landkreisebene. Sogenannte z.B. in die ambulante Pflege mitgebrachten Liegegeschwüre entstehen in der Regel durch mangelnde Kenntnis der pflegenden Angehörigen. Eine Gesamterhebung auf Landkreisebene kann also gleichzeitig zur Ermittlung der Ergebnisqualität weiterer Bemühungen zur Senkung des Gesamtrisikos im Landkreis dienen.
Die Daten zeigen, dass das Instrument der internetgestützten Dekubituserhebung ein sehr gut geeignetes Mittel ist, um eine Sensibilisierung hinsichtlich der Problematik von Liegegeschwüren zu erreichen und dadurch langfristig - nachhaltig - niedrige Prävalenzraten zu erzielen.
Im Rahmen des Qualitätssicherungsprozesses in der Altenpflege könnte es für weitere Landkreise in der Bundesrepublik sehr hilfreich sein, sich einer solchen Erhebung anzuschließen, machte Dr. Sylvia Steingaß in ihrem Vortrag über den Benefit des Projektes für den Ostalbkreis und andere Landkreise deutlich und hofft, dass sich überregional Gesundheitsämtern und Pflegeeinrichtungen für eine Übernahme des Ostalbkreis-Projektes interessieren. Außerdem könnte es für die Einrichtungen zukünftig von großem Interesse sein, wenn das Instrument auch für andere Themenbereiche wie z.B. Sturzprävention weiterentwickelt würde.
Mitteilung von:
Landratsamt Ostalbkreis
Stuttgarter Straße 41
73430 Aalen
Susanne Dietterle
Büro des Landrats / Pressestelle
Telefon 07361/503-312
Telefax 07361/503-96312
susanne.dietterle@ostalbkreis.de7
[1] www.ostalbkreis.de
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