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IHK Fachhelfer-Projekt: Bewährungsprobe bestanden

Dieser Eintrag stammt von admin Am 28.6.2007 @ 10:40 In Gesellschaft, Bildung, Verwaltung, Industrie | Kommentarfunktion deaktiviert

Heilbronn-Franken. Die Qualifizierung zum Fachhelfer, die von der IHK Heilbronn-Franken im Jahr 2004 zum ersten Mal gestartet wurde, findet bei Betrieben eine gute Resonanz. Das Konzept schließe eine Lücke, resümiert IHK-Hauptgeschäftsführer Heinrich Metzger: ”Oft ist der Fachhelfer eine neue Chance für junge Menschen, die vor allem praktisch begabt sind.”  Als bundesweit einzige Kammer hat die IHK Heilbronn-Franken dieses Projekt ins Leben gerufen. Die Teilnehmer erhalten nach praktisch-mündlicher Prüfung ein IHK-Zertifikat. Hier drei regionale Beispiele:

In Kirchberg-Gaggstatt hat Florian Zingler vor sechs Monaten die Prüfung zum Fuhrparkhelfer bestanden. “Keine Schule, ich war den ganzen Tag im Betrieb”, lautet das positive Fazit des Fachhelfers. In der Jugendhilfeeinrichtung “Mut zur Zukunft” endete damit für ihn seine Ausbildung. Bereits vorher hatte er in einer Werkstatt mitgearbeitet.

Ebenso überzeugt zeigt sich Ausbilder Frank Ströbel von dem neuen Fachhelfer-Profil: ”Dieser Testlauf war aus unserer Sicht ein Erfolg.“ Besonders gut sei dabei gewesen, ”dass man zum einen die Qualifizierung sehr betriebsspezifisch gestalten, zum anderen die Qualifizierung entsprechend den Fähigkeiten des jungen Menschen anpassen kann”.

Als Fachhelfer wurde Florian die Theorie gleich in der Werkstatt am Fahrzeug erklärt. Ob dieses Qualifizierungsmodell Zukunft hat? Geschäftsführer Thomas Riekert meint, ja. “Das machen wir sofort wieder, gerade hier in einer pädagogisch-sozialen Einrichtung.”

Zufriedenheit auf allen Seiten

Ganz verschiedene Unternehmen, individuelle Beispiele und jedes Mal zufriedene Beteiligte sprechen für sich: Im letzten Jahr haben 42 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die einjährige Maßnahme absolviert. Der aktuelle dritte Jahrgang startete im Herbst 2006 mit 39 jungen Erwachsenen.

In Gaggstatt zum Beispiel war der Betrieb durch einen IHK-Ausbildungsberater auf das neue Modell aufmerksam gemacht geworden. Helga Geiger, Inhaberin des Reifen-Punkts, erhielt den Tipp über die Diakonische Jugendhilfe e. V. Heilbronn. Mit ihrem Azubi Vitalij Milde sei sie sehr zufrieden, sagt sie.

Vitalij qualifiziert sich seit Herbst 2006 zum Fachhelfer für Reifenmontage und Service. Geiger: “Er hat sich sofort integriert, lernt schnell und zeigt sich positiv. Wir würden noch mehr solche wie Vitalij nehmen.” Auch in Stoßzeiten, wenn im Reifenwechsel Hochbetrieb herrscht, arbeitete Vialij länger. Gegenbeispiel: Ein zweiter junger Mann, der zum Fachhelfer werden sollte, sei nicht bereit gewesen, erforderlichen Einsatz zu bringen. Er habe sich von sich aus wieder verabschiedet.

Letzte Chance für junge Leute

Durch solche Abbrüche erschweren sich junge Menschen den Einstieg in die Arbeitswelt. Dass ihre Qualifizierung eine neue, oft sogar die letzte Chance ist, realisiert nicht jeder: Auch Sabine Kaumeyer, Inhaberin des Öhringen Süßwarenladens Chocolino, hatte schon zwei Bewerberinnen, die nach Beginn der Qualifizierung absprangen.

Ein klassischer Azubi im Einzelhandel wäre für Sabine Kaumeyer aber bisher nicht in Frage gekommen. Jetzt qualifiziert sich Katrin Weisheit zur Fachhelferin im Verkauf. Davor hatte die Ladeninhaberin keine Mitarbeiter - Aushilfen kamen aus der Familie oder dem Freundeskreis. Um so mehr freut sich nun ihre angehende Fachhelferin: “Die Situation in Öhringen ist schwierig bei Ausbildungsplätzen im Einzelhandel“, weiß Katrin Weisheit, ”es werden nur wenige angeboten.”

Durch die Förderung der Maßnahme als Einstiegsqualifikation (EQ) durch die Agentur für Arbeit wurde Ausbildung bei Chocolino überhaupt erst möglich. “Ich könnte das Modell jedem empfehlen“, meint Sabine Kaumeyer auch in sozialer Hinsicht, ”vor allem bevor die jungen Leute nur den ganzen Tag zu Hause sitzen”.

Soziale Aspekte im Vordergrund

Für die sozialpädagogische IHK-Ausbildungsberaterin Brigitte Käfer spielt der soziale Aspekt ebenfalls eine große Rolle: “Ziel der Maßnahme ist es, im Anschluss einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu finden und die jungen Menschen durch die Qualifizierung zum Fachhelfer auf die Anforderungen in der Arbeitswelt vorzubereiten.”
Die meisten jungen Menschen, die zum IHK-Fachhelfer qualifiziert werden, haben aufgrund ihrer persönlichen Situation wenig Aussicht auf einen normalen Einstieg in die Arbeitswelt.

Eine Chance, die die meisten auch erfolgreich wahrnehmen. Nur wenige brechen bisher ab. “Wir haben sehr gute Abschlüsse mit Noten zwischen Eins und Zwei”, betont Brigitte Käfer. Die Übernahmequote in Ausbildung oder Arbeit liege bei über 50 Prozent, könne durch gezielte Bewerbungstrainings aber noch gesteigert werden.

Kontakt
Brigitte Käfer, Sozialpädagogische Ausbildungsberaterin
IHK Heilbronn-Franken,
Telefon 07131 9677-53, E-Mail [1] kaefer@heilbronn.ihk.de

IHK Fachhelfer-Modell

Die Qualifizierung zum Fachhelfer läuft im Rahmen der Einstiegsqualifizierung (EQ). Sie wird mit einem monatlichen Betrag von knapp 200 Euro gefördert, welche der Betrieb an seine angehenden Fachhelfer weitergibt. Und so funktioniert es:

  • Die IHK akquiriert jedes Jahr Qualifizierungsplätze und meldet diese an die Agentur für Arbeit, die junge Erwachsene darauf vermittelt
  • Praktikumsverträge im Rahmen der ”EQ“ sind nach Besuch einer allgemeinbildenden Schule möglich, Fachhelfer-Verträge mit Erreichen der Volljährigkeit.
  • Registriert werden die Verträge bei der IHK, um eine mündlich-praktische Prüfung im Unternehmen durchzuführen. Vorteil für Beteiligte: Der Qualifizierungsplan ist individuell gestaltbar.
  • Die 12-monatige, rein betriebliche Qualifizierung eignet sich für alle Branchen: Handel, Logistik, Büro, Tierpflege, Textilpflege, Produktion, Hauswirtschaft, Gastronomie, Garten- und Landschaftspflege.

Mitteilung von:

Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken
Ferdinand-Braun Straße 20
74074 Heilbronn
Achim Ühlin (Leiter PR)
Tel.: 07131 9677-106
Fax: 07131 9677-117
uehlin@heilbronn.ihk.de
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