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Fachtagung zu „Generationswechsel auf dem Hof“
Dieser Eintrag stammt von admin Am 14.2.2007 @ 11:04 In Landwirtschaft | Kommentarfunktion deaktiviert
Bad Mergentheim. Zwischenmenschliches und Betriebswirtschaftliches im Blickpunkt: Zwischenmenschliche und betriebswirtschaftliche Aspekte des Generationswechsels auf dem Bauernhof standen im Mittelpunkt der 6. Fachtagung „Frau, Familie, Haushalt, Betrieb“, die kürzlich in der Sparkasse Tauberfranken in Bad Mergentheim stattfand. Ein Vortrag über Hofübergaben in Dänemark lieferte Vergleichsmöglichkeiten und Denkanstöße; ein weiteres Referat befasste sich mit Generationenkonflikten und Machtkämpfen in Familien; schließlich schilderte eine Bäuerin ihre Erfahrungen beim Generationswechsel.
Veranstalter der Fachtagung waren das Landwirtschaftsamt des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis und die Vereine landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen Bad Mergentheim und Tauberbischofsheim-Wertheim. Die Leiterin des Landwirtschaftsamtes, Helgard Tomppert, zeigte sich erfreut, dass die Veranstaltung Jahr für Jahr größeres Interesse hervorruft. Diesmal waren mehr als 60 Frauen gekommen. Karin Roth, Sachgebietsleiterin für Hauswirtschaft, hatte die Tagung organisiert. Die Absolventenvereine und die Sparkasse hatten die Veranstaltung durch ihre finanzielle Unterstützung ermöglicht. Manfred Bürckert, Regionaldirektor Privatkunden der Sparkasse, wünschte den Zuhörerinnen, „dass sie viele nützliche Informationen mit nach Hause nehmen können.“
Heinrich Lüllau berät dänische Landwirte in Fragen der Betriebswirtschaft. Er schilderte in einem Vortrag, wie der Generationswechsel und die Hofübergabe bei landwirtschaftlichen Betrieben in Dänemark ablaufen und leitete daraus Denkanstöße für deutsche Bäuerinnen ab. Der 31-jährige Niedersachse und studierte Landwirt war 1991 mit seinen Eltern nach Dänemark ausgewandert. Noch als Student kaufte er selbst einen Hof und hatte daher fast 800.000 Euro Schulden, bis er den Betrieb wiederum seinen Eltern verkaufte. Heute ist er als Berater beim Landwirtschaftlichen Hauptverein für Nordschleswig tätig, der Landwirten „von der Wiege bis zur Bahre“ zur Seite stehe.
Seine eigene Biographie sei durchaus typisch für Dänemark, erklärte Lüllau: In dem kleinen Land gebe es, anders als in Deutschland, einen Markt für komplette landwirtschaftliche Betriebe. Allein 2005 seien 6500 Höfe gehandelt worden, 2500 von ihnen mehr als zehn Hektar groß. Das sei auch der Grund, weshalb die dänischen Banken Kredite an (zukünftige) Landwirte vergeben: „Schulden sind in Ordnung, es geht gar nicht ohne, wenn ein Hof wachsen soll – der Betrieb muss nur immer das wert sein, was an Schulden da ist“, zeigte sich Lüllau überzeugt. Seinen Hof zu verkaufen und danach etwas anderes zu machen, sei in Dänemark auch nicht ungewöhnlich: „Einen Landwirt kann man für alles brauchen – wer aufhört, hat innerhalb einer Woche eine andere Arbeit.“ Lüllau beschrieb den Strukturwandel in Dänemark – 1970 gab es 140.000 landwirtschaftliche Betriebe, 2005 waren es nur noch 37.800 – und erläuterte, dass es schon deshalb nur noch wenige „klassische“ Hofübergaben zur nächsten Generation geben werde: „Deshalb muss ein Betrieb immer so attraktiv sein, dass ihn auch jemand übernehmen möchte.“
Lüllau beschrieb den idealen Ablauf einer Hofübergabe: Man müsse unter anderem analysieren, wie die wirtschaftliche Lage des Hofes ist, ob investiert werden soll, ob ein Familienmitglied den Hof übernehmen möchte, wann übergeben werden soll. Es müssten die Ziele der älteren Generation geklärt – wo will sie wohnen, wovon leben usw. – und die Visionen der jüngeren Generation berücksichtigt werden. „Hast du Mut, Lust und Kampfgeist?“, das sei die wichtigste Frage an den möglichen Übernehmer. Wenn die Antwort „Nein“ lautet, gebe es zwei Möglichkeiten: den Hof verkaufen oder auf „Verschleiß“ setzen, also das Vorhandene nutzen und nichts mehr investieren. Wer „Ja“ antworte, der müsse die Ressourcen des Hofes und des künftigen Betriebsleiters analysieren: Sei der Betriebsleiter „nicht gut genug“ oder fehle ihm das nötige Eigenkapitel, dann müsse er aus der Landwirtschaft aussteigen. Wenn die Leistung stimme, aber der Hof ungünstig gelegen sei und keine Erweiterungsmöglichkeiten biete, verkaufe man ihn besser und erwerbe einen anderen landwirtschaftlichen Betrieb. Die ideale Lösung schließlich sei „Wachstum“: wenn Qualifikation und Leistung des (künftigen) Betriebsinhabers überzeugen und der Hof gute Expansionschancen bietet. Lüllau riet dazu, die Situation des Betriebs vor einer Übergabe sorgfältig zu analysieren, die Zusammenarbeit von älterer und jüngerer Generation zu klären, sich für eines der geschilderten Übergabe-Prinzipien zu entscheiden und die Strategie schriftlich festzuhalten.
Der freie Kauf eines Hofes sei die schwierigste, aber auch die beste Lösung: Dann gebe es nur „einen Chef aus einer Generation“; die Ehefrau des Landwirts könne frei entscheiden, ob sie ihren bisherigen Beruf weiter ausüben oder in der Landwirtschaft mitarbeiten möchte. Grundsätzlich sei es aber sinnvoll, auf Fremdarbeitskräfte zu setzen: „Das bringt andere Themen und frischen Wind auf den Hof.“ Freilich sei der Aufbau eines großen, leistungsfähigen Betriebs auch mit viel Stress verbunden: „Viele solche Landwirte hätten gerne wieder einen kleineren Hof.“
Nach dem stark betriebswirtschaftlich geprägten Vortrag Lüllaus ging es im nächsten Vortrag um zwischenmenschliche Aspekte: um Generationenkonflikte und die alltäglichen Machtkämpfe in Familien. Referent war der christliche Psychotherapeut und Seelsorger Michael Hübner aus Neuendettelsau (Landkreis Ansbach). Dass solche Machtkämpfe entstehen, liegt nach Hübners Auffassung bereits im Ziel von Erziehung begründet: „Jemanden zu erziehen heißt, einen Menschen dahinzubekommen, dass er selbst- und eigenständig handelt, dass er also nicht alles so macht wie die Generation vor ihm.“ Machtkämpfe beruhten auf „vier Fehlzielen“ von Kindern und Erwachsenen: Menschen wollten Aufmerksamkeit erregen („Du störst mich bei…“), ihre Überlegenheit demonstrieren (zum Beispiel durch ständige Rechthaberei), Rache und Vergeltung üben („Ich zeige denen, wie schlimm sie zu mir waren“) oder ihre Unfähigkeit beweisen („Ich gebe es auf“). Als guten Ausweg aus solchen innerfamiliären Machtkämpfen sah Hübner „Familienkonferenzen“: Ganz verkürzt formuliert geht es Hübner darum, dass sich alle Familienmitglieder zusammensetzen, Probleme formulieren und Lösungsvorschläge erarbeiten sollen, von denen der beste ausgewählt und probeweise umgesetzt wird. Hübner hatte mit seinen Worten bei den Zuhörerinnen offenbar einen Nerv getroffen, wie die schnell aufflammende Diskussion zeigte. „Das Problem ist nicht der Sohn, sondern der Opa, der zeigen möchte, dass er der Herr im Haus ist“, formulierte eine Frau und sprach vielen Bäuerinnen aus dem Herzen.
„Wo bleibe ich beim Generationswechsel?“, war schließlich die Leitfrage des Vortrags der Bäuerin Marta Blumenstock aus Kleinallmerspann (Landkreis Schwäbisch Hall). Die Übernahme des Hofes ihrer Schwiegereltern vor 27 Jahren sei positiv gelaufen: „Wir wohnen auf der Teil-Aussiedlung, die Schwiegereltern 300 Meter entfernt im Dorf – das genügt, damit jede Generation ihr eigenes Leben führen kann.“ Immer wieder war in der Fachtagung über die „Mantel-Lösung“ gesprochen worden: Die Generationen sollten immer mindestens so weit entfernt wohnen, dass man vor einem Besuch beim anderen „den Mantel anziehen muss“. Auch vor der Übergabe des erfolgreichen Hofes ist es der Bäuerin nicht bange: Momentan genieße sie es, dass die beiden Söhne – dank ihrer guten landwirtschaftlichen Ausbildung – neue Ideen auf den Hof brächten. Mit der Ferkelerzeugung und Schweinemast hätten diese sich außerdem auf einem gepachteten Hof zusätzlich etwas eigenes aufgebaut, selbst Verantwortung übernommen. „Ich weiß aber auch: Ich werde meinen Platz in absehbarer Zeit räumen müssen.”
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