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Ferienzeit ist auch Erntezeit
Dieser Eintrag stammt von dn Am 28.7.2008 @ 12:07 In Landwirtschaft | Kommentarfunktion deaktiviert
Ostalbkreis. Die Schulferien haben begonnen, das Wetter wird immer besser, es ist Sommer. Für viele heißt das Urlaub, Sonne, Strand und Meer, nicht aber für die Landwirte der Region. Jetzt ist Haupterntezeit. Wintergerste und Teile des Winterraps sind bereits gedroschen. Die Ernte von Weizen, Braugerste und Hafer hat begonnen. Aus diesem Anlass lud Landrat Klaus Pavel Vertreter der Landwirtschaft und des Handels zur Erntepressekonferenz auf den Betrieb Stadelmeier in Eschach ein.
In Anbetracht der Unwetter- und Hagelschäden in benachbarten Kreisen ist der Ostalbkreis in diesem Jahr mit mehr als einem blauen Auge davon gekommen. Auch extreme Trockenheit wie in den Vorjahren blieb dieses Jahr aus. Aufgrund unterschiedlicher Bodenverhältnisse kann im Ostalbkreis mit einer schlechten bis sehr guten Ernte gerechnet werden. Auf leichten Böden hat dem Getreide zum Teil Wasser gefehlt, auf schwereren Böden waren die Bedingungen für Getreide gut, dagegen hatte dort der Mais mit Staunässe zu kämpfen. Jetzt fehle nur noch warmes trockenes Wetter für eine erfolgreiche Ernte, so Landrat Klaus Pavel.
Insgesamt wird eine gut durchschnittliche Ernte erwartet, bei Wintergerste ca. 5 bis 7 t/ha, Winterweizen von 6 bis 10 t/ha. Die Rapsbestände, die vor allem zur Gewinnung von Pflanzenöl zur Kraftstofferzeugung genutzt werden, stehen etwas schlechter als im vergangenen Jahr. Ebenso besteht beim Raps die Gefahr, dass aufgrund von Unwettern vor der Ernte noch größere Schäden auftreten können.
Trotz guter Ernte rechnet Direktor Karl-Heinz Schöller von der BAG Ellwangen mit ähnlichen, zum Teil sogar etwas höheren Preisen wie im vergangenen Jahr. Verantwortlich für höhere Preise seien Spekulanten an den Börsen. Die Preise werden nicht mehr im Landkreis gemacht, sondern an der Warenterminbörse in Paris, betont der Vertreter der BayWa, Metzger. So wird Brotweizen dort derzeit für 190 Euro/t angeboten, Raps für 450 Euro/t. Gerechtfertigt und für den Landwirt dringend notwendig sind diese Preise aber dennoch, da nicht nur die Energiekosten sondern auch die Kosten für Düngemittel und andere Produktionsmittel zum Teil um 100% gestiegen sind.
Ein Hektar Getreide bringt dem Landwirt ca. 800 bis 1.000 Euro rechnete Landrat Pavel vor. Dem stehen ca. 800 Euro Kosten gegenüber, rechnete Landwirt Matthias Stadelmeier dagegen. Somit bleiben dem Landwirt noch bis 200 Euro Gewinn je ha. Dies ist allerdings kein Nettolohn, wie ihn Angestellte kennen, da der Landwirt davon noch Sozialabgaben wie Krankenkasse und Alterssicherung zahlen muss. Hinzu kommen notwendige Investitionen, denen sich wachsende Betriebe auch in Zukunft nicht entziehen dürfen. Die Landwirte brauchen also die höheren Erzeugerpreise, um leben und überleben zu können.
Anders als von der Verarbeitenden Industrie oft berichtet, sind die Erzeugerpreise allerdings nur begrenzt für höhere Verbraucherpreise verantwortlich. So beinhaltet der Preis für ein Brötchen nur wenige Cent für Getreide. Ähnlich verhält es sich bei Bier. Hier liegt der Anteil des Getreides nur bei 60 Cent je Kasten. Eine Preissteigerung beim Getreide rechtfertigt also nur einen geringen Preisanstieg bei Lebensmitteln. Für diesen sind vielmehr Energiepreise und steigende Lohnkosten bei den Verarbeitern verantwortlich zu machen.
Der Betrieb Stadelmeier hat eine 250 kW-Biogasanlage zur Energiegewinnung errichtet. Das Gas wird aus Mais, Restflächen von Grünland und Schweinegülle aus den betriebseigenen Mastställen erzeugt. Aus dem Gas wird auf dem Betrieb Strom erzeugt, der ins Stromnetz eingespeist wird. Die dabei anfallende Wärme wird zum Heizen der Ställe und der eigenen Häuser genutzt. Weitere Gebäude sollen an das Fernwärmenetz angeschlossen werden. Landrat Klaus Pavel hob diese Kombination der Nutzung von Reststoffen aus anderen Betriebszweigen zur Energiegewin¬nung und Nutzung der anfallenden Wärmeenergie in anderen Betriebszweigen als besonders wünschenswert hervor.
Die Landwirte im Ostalbkreis stellen sich der Herausforderung der Globalisierung und haben trotz zum Teil schwerer Marktlage weiterhin großes Interesse, in die Entwicklung ihrer Betriebe zu investieren. Dr. Hans Börner hob hervor, dass die Betriebe im Ostalbkreis in diesem Jahr ca. ein Siebtel der Investitionsfördermittel für Stallbaumaßnahmen in Baden-Württemberg (35 Landkreise) abrufen. Diese positive Entwicklung sollte auch von der Bevölkerung unterstützt werden. Nur Landwirte könnten unsere schöne Ostalblandschaft erhalten.
Im Hinblick auf die begonnene Ernte bittet Landrat Pavel die Bevölkerung um Verständnis für eventuelle Behinderungen im Verkehr durch große Erntemaschinen oder durch Lärmbelästigungen auch in späten Stunden. Die Landwirte müssen die aufgrund des Wetters nur begrenzte Zeit zur Ernte nutzen. Mit verstärkten Behinderungen ist lediglich in den nächsten drei bis vier Wochen zu rechnen. Landrat Pavel appelliert im Interesse der Betriebe, die es ohnehin schon schwer genug haben, an die Bevölkerung, für diese nur vorübergehenden Belästigungen Verständnis zu zeigen.
Mitteilung von:
Landratsamt Ostalbkreis
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