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Landwirtschaftliche Produktion: Zunehmend mehr den Marktkräften weltweit ausgesetzt
Dieser Eintrag stammt von admin Am 5.3.2007 @ 15:08 In Landwirtschaft, Verwaltung | Kommentarfunktion deaktiviert
Ostalbkreis/Neresheim. Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Meistertisches Hans Brandstätter aus Neresheim-Lixhöfe konnte in seinem Jahresbericht wiederum über verschiedene Aktivitäten berichten. Einen breiteren Raum nahmen dabei die außerlandwirtschaftlichen Besichtigungsobjekte ein. Nach dem Kassenbericht des Geschäftsführers Karl-Johann van Eeck sowie dem Prüfbericht von Manfred Berreth aus Altmannsweiler wurde auf Antrag von Klaus Mayer vom Lindenhof Vorstand wie Geschäftsführer einstimmig Entlastung erteilt. In seinem Grußwort unterstich der Erste Landesbeamte Hubert Götz vom Landratsamt, dass die Mitglieder des Meistertisches auf sehr hohem Niveau diskutierten und er sehr gerne in diese Runde komme.
Weiter stellte er fest, dass bei der Landwirtschaft immer mehr der Markt greife, so nehme die Lagerhaltung zusehends ab und aller Voraussicht nach werde auch die Milchquote 2015 wegfallen. Außerdem führen die rasanten Entwicklungen auf den Energiemärkten weltweit mit der Förderung der regenerativen Energien innerhalb der EU zu Preisanstiegen bei den Rohstoffen im Konsum- wie auch im Energiebereich, so bei Getreide und Mais.
Mit Spannung warteten die zahlreich erschienen Mitglieder und Gäste auf den Vortrag von Horst Herrmannsen. Herrmannsen ist unabhängiger Redakteur der Zeitschrift „Ernährungsdienst“ und zugleich landwirtschaftlicher Redakteur beim Bayrischen Rundfunk. Er referierte zum Thema „Landwirtschaft im Kräftespiel der Märkte“. Eingangs stellte er fest, dass 70 % und mehr der Einnahmen in der Landwirtschaft aus Direktzahlungen stammen. Der Staat habe nun kein Geld mehr und hatte es auch nie, so dass dringend Änderungen angezeigt sind. Seit langer Zeit könne man nun wieder positive Grundbotschaften in der Wirtschaft, so auch in der Landwirtschaft feststellen. Nach Auffassung Herrmannsens ist die Aufbruchstimmung auch begründet. So habe die Landwirtschaft die besten Entwicklungschancen gegenüber allen anderen Wirtschaftsbereichen. So wachse die Menschheit weltweit pro Jahr um 80 Millionen Einwohner oder anders gesagt um die Einwohnerzahl der Bundesrepublik Deutschland. Je besser es den Menschen gehe desto mehr steigen auch ihre Ansprüche, so auch an die Ansprüche in der Ernährung. Lag Winterweizen im Erzeugerpreis im letzten Jahr noch bei 8 bis 10 € / dt, stehe der Preis nun auf Grund der gestiegenen Nachfrage EU- als auch weltweit bei 15 € / dt.
Herrmannsen sieht den Strukturwandel, der weiter bevorsteht, als etwas ganz normales. Vereinfacht bedeutet eine Produktivitätssteigerung von 3 % ein Ausscheiden von Landwirten um den gleichen Prozentsatz pro Jahr. Wenn der Staat sich weiter aus Förderung und Direktzahlungen verabschiede, so bedeute dieses Markt mit entsprechenden Marktanpassungen und einhergehend Strukturwandel. Zum Getreidemarkt meinte der Referent, dass die Preise weiter steigen werden, da das Sicherungsnetz mit Intervention und Lagerhaltung gegen Null gehen wird. Weltweit gebe es Getreidevorräte für weniger als acht Wochen. Nach seiner Einschätzung werden die Preise exorbitant steigen, wenn dieser Vorrat unter sechs Wochen gehen sollte. Weitere Impulse für Nachfrage ergebe sich vor allem in den Regionen Südostasiens. Dort steige der Bedarf vor allem an Getreide für die Fleischproduktion So werden für die Erzeugung von einem Kilogramm Rindfleisch gut zehn Kilogramm Getreide benötigt. China entwickele sich vom bislang Exporteur auf Grund dieser Konstellation zum wohl wichtigsten weltweit agierenden Getreideimporteur. Herrmannsen unterstrich, dass Überschüsse bei Getreide wohl weltweit der Vergangenheit angehören. Damit dürften europäische Markfruchtbetriebe nun endlich schwarze Zahlen schreiben. Euphorie löse dieses wohl nicht bei Veredlungsbetrieben aus, da Teuerungen im Futtermittelsektor vorprogrammiert seien.
Der Milchsektor sei führend im deutschen Ernährungsbereich. Leider wirtschafteten die Milchbauern zum Großteil nicht kostendeckend. Dass die Milcherzeugerpreise absinken, ist nach seiner Meinung von der Politik gewollt. Brüssel sei weit weg und die EU-Kommission nicht zu wählen. Die Aktionen des Bundes Deutscher Milcherzeuger (BDM) hält Herrmannsen für widersinnig. Eine Erzeugerpreisforderung von 40 ct/ kg Milch sei „Käse“. Die Höhe des Marktpreises hält er nicht für entscheidend, sondern vielmehr die ein-zelbetriebliche Kostenstruktur. Das Grundproblem auf dem Milchmarkt sieht er in einer zu hohen Milchproduktionsmenge. 20 % Überproduktion plus drastische einzelbetriebliche Überlieferungen bei 2/3 der deutschen Milcherzeuger seien ein Unding und müssten zu einem Fiasko führen. Für ihn hat die Milchquote keine Zukunft mehr, auch keine Chance bei der WTO.
Den Bereich der regenerativen Energien beleuchtete Herrmannsen sehr kritisch. Er stellte fest, dass die Sektoren Biodiesel, Biogas, Photovoltaik und Windkraft sich verhalten wie „Lemminge“. So sei die Vision der regenerativen Energien eigentlich faszinierend, verstelle aber zum Teil den Blick für problematische Seiten dieser Entwicklung. Herrmannsen ist verwundert, dass die Landwirtschaft so einfach und so schnell in regenerative Energien eingestiegen ist. Bei den Investitionen über eine Laufzeit von 20 Jahren ist nach seiner Kenntnis die Entwertung der Anlage nicht berücksichtigt. Auch der Teilbereich Reparaturen sei vielfach nicht adäquat berücksichtigt. Herrmannsen stellte sich die Frage, wer die „Kriegsgewinnler“ im Bereich der erneuerbaren Energien sind? In der Regel sicherlich nicht die Landwirtschaft. Speziell zum Biogas meinte er, dass mit der vielfach regional imposanten Entwicklung zukunftsorientierten Landwirten in der konventionellen Produktion Zukunftschancen geraubt werden. Hinzu komme, dass bei vielen Biogasanlagen die anfallende Wärme in der Regel nicht oder nicht ausreichend genutzt wird. Nach seinen Ausführungen erwirtschaften weniger als die Hälfe der Biogasanlagen in Deutschland die Abschreibung. Hinzu kommt, dass die Pachtpreise einfach in manchen Regionen jede Bodenhaftung verlieren. Hierbei ist anzumerken, dass eine 500 kW-Anlage zwischen 250 - 300 ha Rohstofffläche erfordert. Herrmannsen stellte provokant fest, ob das Energieeinspeisungsgesetz (EEG) nicht eigentlich Strukturbeschleunigungsgesetz heißen müsste. Seines Erachtens ist das „politische Eis“ für Energiewirte mit wirtschaftlich tragfähigen Lösungen sehr dünn. Er gab den Anwesenden dringend den Rat, die Umstellung auf Energiewirt wirtschaftlich genauestens zu überdenken. Für ihn bietet das Energieeinspeisungsgesetz, auch wenn im Gesetz verankert ist, welche Einspeisungsvergütung in den folgenden 20 Jahren gewährt wird, keine 20-jährige Sicherheit. Die Kosten und Produktionsstruktur sei für jeden Einzelfall genauestens zu analysieren.
Zum Abschluss seines Vortrages stellte Herrmannsen zur Zukunft der Landwirtschaft fest, „Essen und Trinken wird die Menschheit immer benötigen und dieses immer mehr. Halten Sie an den Höfen fest.“
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