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Otto-Gurko-Gedächtniskonzert: Botschafter böhmischer Blasmusik

Dieser Eintrag stammt von sus Am 18.10.2010 @ 16:27 In Kultur, Menschen, Gesellschaft | Kommentarfunktion deaktiviert

Mit einem großen Konzert haben Blasmusikvereine und Jagdhornbläser dem Musiker, Komponisten und Dirigenten Otto Gurko gedacht. Otto Gurko ist am 22. April 1945 in Pflanzen (tschech. Blansko) bei Kaplitz im Böhmerwald geboren worden. Am 16. August dieses Jahres ist er nach schwerer Krankheit im Diakonie-Krankenhaus in Schwäbisch Hall gestorben. In Ellwangen (Baden-Württemberg) hatte sich beim jungen Otto Gurko schon früh das musikalische Talent gezeigt, das ihm sein Vater Josef Gurko in die Wiege gelegt hatte. Josef Gurko hatte nach der Vertreibung in Ellwangen eine Böhmerwald-Blaskapelle ins Leben gerufen, die über Jahrzehnte für exzellenten Klang in der Region und weit darüber hinaus gesorgt hatte.

Otto Gurko trat in die Fußstapfen seines Vaters und übernahm im Alter von 21 Jahren den Dirigentenstab im Musikverein Röhlingen und löste dort Marschmusik durch feine, exakt gespielte böhmische Blasmusik ab. Alois Brenner, der den Konzertabend moderierte, meinte, der Musikverein Röhlingen seien „die ursprungböhmischen, die Otto geprägt hat“. Zugute kamen dem jungen Otto Gurko senior dabei enge freundschaftliche Kontakte zum bekannten tschechischen Komponisten Ladislav Kubeš.

Gurko verschrieb sich zudem der soliden Ausbildung von jungen Musikerinnen und Musikern. Zu den ersten Schülern von Otto Gurko gehörten die Brüder Franz und Alfred Landkammer, deren Eltern aus Bischofteinitz im Böhmerwald stammen. Beide begleiteten den musikalischen Werdegang Otto Gurkos in verschiedenen Blaskapellen und Tanzmusiken. Alfred Landkammer zeigte beim Otto-Gurko-Gedächtniskonzert in Fichtenau-Matzenbach den Werdegang des außergewöhnlichen Künstlers Otto Gurko auf.
Von den Vereinen, die vom Wirken Otto Gurkos als Dirigent profitiert haben, spielten beim Gedächtniskonzert das Bläsercorps des Hergerings Ellwangen, der Musikverein Fichtenau (hier war er bis zuletzt Dirigent), die „Fidelen Kirchheimer“, die „Hornberg Musikanten“, der Musikverein Röhlingen und „Ottos Böhmische Blasmusik“. Unter den Zuhörer in der mehr als voll besetzten Festhalle waren auch zahlreiche Musiker anderer Musikvereine, wie etwa aus Rosenberg, wo Otto Gurko auch dirigiert hatte. Otto führte seine Musikgruppen zu Auftritten im In- und Ausland, darunter auch mehr als zehnmal nach Amerika.

„Ottos Böhmische Blasmusik“ eröffnete den Abend mit dem Marsch „Bei der Mühle“ (Pode Mlejnem). Diese Melodie war über Jahrzehnte die Erkennungsmelodie der Böhmerwaldkapelle. Zudem spielten die 15 Musiker die Barbara Polka (Gesang: Alfred Landkammer), die Otto Gurko selbst komponiert hatte.

Otto war nicht nur als Dirigent gefragt. Fiel in einer Formation ein Musiker aus, hieß es: „Otto spiel du es“, meinte Ehrenfried Schütz von den „Hornberg Musikanten“. Otto Gurko spielte neben Trompete auch Flügelhorn, Tenorhorn, Saxophon und Klarinette. Selbst an Schlagzeug und Bass war er zu finden. Dabei legte er an sich selbst dieselben Maßstäbe an wie an seine Schüler: „Der Spaß kommt später, jetzt wird geübt“, erinnerte sich Ludwig Kurz vom Musikverein Röhlingen. Otto Gurko habe „keinen Schmusekurs gefahren“, habe bei der Ausbildung auf Drill Wert gelegt. „Und ich habe bis heute keinen besseren Lehrmeister gehabt“, bekannte Kurz.

„Eine Polka muss man vortragen und nicht runterspielen, wie sie auf dem Blatt steht“, erinnerte Erwin Hertle, der Dirigent der „Fidelen Kirchheimer“, an den Spruch Otto Gurkos. Helmut Rommel vom Bläsercorps des Hegering Ellwangen, wo der gebürtige Böhmerwäldler Gurko seit 1973 die musikalische Leitung inne hatte, sagte: „Otto brachte uns bei, notengerecht zu spielen.“ Seit 1974 errangen die Ellwanger Bläser beim Landeswettbewerb so jedes Jahr die volle Punktzahl.

Otto Gurko konnte mehr als Blasmusik. Er gründete die Cheerios und das Tropical-Sextett, versammelte in seiner Tanzkapelle, dem „Otto Gurko Sextett“, die besten Musiker aus seinem Freundeskreis. Auch hier galt sein Motto: „Einfach das Instrument auspacken und spielen“, sagte Alfred Landkammer. (Rainer Grill)


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