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Amphibien vor dem sicheren Straßentod bewahren - Vorsichtig Fahren ist praktischer Naturschutz

Dieser Eintrag stammt von admin Am 12.3.2007 @ 11:16 In Umwelt, Gesellschaft, Verwaltung | Kommentarfunktion deaktiviert

Main-Tauber-Kreis. Derzeit engagieren sich wieder viele ehrenamtliche Naturschützer und private Helfer, um die heimischen Amphibien zu schützen, wenn sie auf der Wanderung zu ihren Laichplätzen Straßen überqueren. Auch vor der Landesgrenze macht der Einsatz der Freiwilligen nicht Halt – dank einer gemeinsam Aktion der Landratsämter Main-Tauber-Kreis und Würzburg.

Wie in jedem Frühjahr machen sich derzeit Frösche, Kröten und Molche auf den Weg zu ihren Laichplätzen. Ab einer Bodentemperatur von mehr als sechs Grad und bei Regenwetter beginnen die Amphibien mit ihrer bis zu mehreren Kilometern langen Wanderung vom Winterquartier zu den Laichgewässern. Oft müssen die Tiere dabei Straßen überqueren, wobei viele von ihnen überfahren werden. Langfristig führt dies zum Aussterben ganzer Populationen. Dazu kommt, dass die heimischen Amphibien zu den ersten Opfern der Klimaveränderungen gehören, denn zuviel Wärme im Januar und Februar hat den Lebenszyklus der ohnehin bedrohten Tiere in diesem Jahr stark gestört. Eine spätere Frostperiode im März kann so für die frühzeitig abgelaichten Eier und für die erwachsenen Tiere den Tod bedeuten.

Alle heimischen Frösche, Kröten und Molche sind besonders geschützte Tierarten, die meisten stehen auch auf der Roten Liste der gefährdeten oder vom Ausstreben bedrohten Tierarten. So kommt auch den Schutzmaßnahmen bei ihrer Wanderung zum Laichgewässer eine große Bedeutung zu.

Im Main-Tauber-Kreis stehen alljährlich viele ehrenamtliche Naturschützer und private Helfer bereit, um die Amphibien vor dem sicheren Straßentod zu bewahren. In enger Abstimmung zwischen dem NABU-Kreisverband (Naturschutzbund Deutschland) sowie dem Umweltschutz- und dem Straßenbauamt des Landratsamtes stellen die Mitarbeiter der Straßenmeistereien des Landratsamtes an etlichen Kreis- und Landesstraßen mobile Amphibienschutzzäune auf. Treffen die wandernden Tiere auf diese etwa 50 Zentimeter hohen Leiteinrichtungen, dann laufen sie daran entlang und fallen in Eimer, die in regelmäßigen Abständen in den Boden eingegraben sind. Die Amphibienschützer sammeln die Tiere ein, bestimmen die Art, zählen die Tiere und setzen diese auf der anderen Straßenseite in der Nähe des Laichgewässers wieder aus.

„Der Einsatz der ehrenamtliche Helfer sichert nicht nur das Überleben der Amphibien, er trägt auch zur Sicherheit der motorisierten Verkehrsteilnehmer bei. Das schnelle Befahren solcher Strecken ist auch für Autofahrer nicht ungefährlich, wenn die Straße durch überfahrene Kröten rutschig geworden ist“, erläutert Heike Kademann, Leiterin des Umweltschutzamtes im Main-Tauber-Kreis.

Rechtzeitig vor der diesjährigen Wanderung wurde auch an der Kreisstraße zwischen Unterwittighausen und Bütthard auf einer Länge von etwa 1300 Metern ein mobiler Schutzzaun aufgestellt. Nach Beobachtungen der NABU-Gruppe Wittighausen wurden gerade auf diesem Streckenabschnitt in den vergangenen Jahren zahlreiche Erdkröten überfahren. Da die Straße hier von baden-württembergischem auf bayrisches Terrain überwechselt, war zum Schutz der Amphibien eine länderübergreifende Artenschutzmaßnahme notwendig. In Abstimmung zwischen den Landratsämtern Main-Tauber-Kreis und Würzburg wurde schließlich auf beiden Landesseiten ein jeweils circa 650 Meter langer Abschnitt mit einer Leiteinrichtung bestückt.

Die örtliche Betreuung der Wanderstrecke hat erfreulicherweise die NABU-Gruppe Wittighausen unter der Leitung des Vorsitzenden Hermann Michel übernommen. Die Naturschützer müssen den Schutzzaun nun jeden Morgen kontrollieren und die eingesammelten Amphibien über die Straße zu ihrem Laichgewässer bringen.

Die Straßenmeistereien haben derzeit an acht Straßenabschnitten im Main-Tauber-Kreis mobile Amphibienschutzzäune mit einer Gesamtlänge von circa 3580 Metern aufgestellt, hinzu kommen zwei Straßenabschnitte mit etwa 1150 Metern stationärer Zaunanlage. Betreut werden die Wanderstrecken von den NABU-Gruppen Boxberg, Main-Wildbach, Tauberbischofsheim, Werbach und Wittighausen, dem Naturschutzverein Grünsfeld, dem Fischereiverein Mondfeld, dem Obst- und Gartenbauverein Nassig sowie von privaten Helfern aus Dertingen und Gamburg. Nach Abschluss der Wandersaison findet koordiniert das Umweltschutzamt die Auswertung der Aktion und den Erfahrungsaustausch der Beteiligten.

Das Landratsamt Main-Tauber-Kreis bittet alle Verkehrsteilnehmer, in den von der Amphibienwanderung betroffenen Streckenabschnitten die Warntafeln und Geschwindigkeitsbeschränkungen sorgfältig zu beachten und besonders vorsichtig zu fahren. „Jeder kann so seinen Teil zum praktischen Naturschutz beitragen“, sagt Amtsleiterin Heike Kademann.

Mitteilung von:

Landratsamt Main-Tauber-Kreis
Gartenstraße 1
97941 Tauberbischofsheim
Telefon 09341/82-5612
Telefax 09341/82-5690,
Markus Moll, Pressestelle
pressestelle@main-tauber-kreis.de
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