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Pflegeeltern verdienen allerhöchsten Respekt und großen Dank: Ehrungen für langjähriges Engagement

Dieser Eintrag stammt von admin Am 30.3.2007 @ 10:09 In Dienstleistung, Menschen, Gesellschaft, Verwaltung | Kommentarfunktion deaktiviert

Main-Tauber-Kreis.Seit 15 Jahren besteht die Pflegeelterngruppe im Main-Tauber-Kreis. Aus diesem Anlass hatte das Kreisjugendamt kürzlich zu einer Feierstunde in den großen Sitzungssaal des Landratsamtes in Tauberbischofsheim eingeladen. Während der Feier wurden langjährige Pflegeeltern für ihre ehrenamtliche Arbeit geehrt. In einer Festrede widmete sich Rüdiger Arendt vom Kommunalverband für Jugend und Soziales der Frage, was Qualität in der Pflegekinderhilfe ausmacht.

„Eine Gesellschaft, die keine Kinder mehr hat, ist eine sterbende Gesellschaft“, sagte Landrat Reinhard Frank. Dabei seien Kinder das, „was eine Gesellschaft ausmacht“. Frank stellte erfreut fest, dass die Menschen „angesichts der demografischen Entwicklung den Stellenwert von Familien und Kindern wieder entdeckt“ hätten. Die langjährigen Pflegeeltern, die an dem Abend geehrt wurden, verdienten für ihren aufopferungsvollen Einsatz allerhöchsten Respekt und großen Dank. „Sie übernehmen keine Aufgabe für ein paar Stunden, sondern für viele Jahre. Dabei ist es nicht immer leicht, Kinder zu erziehen, aber man bekommt viel zurück – unter anderem das Gefühl, die jungen Menschen auf einen guten Weg gebracht zu haben.“ Dank richtete der Landrat auch an die Mitarbeiterinnen des Pflegekinder- und Adoptionsdienstes beim Kreisjugendamt, Ingrid Bauer, Monika Koch und Jutta Melzer, für ihre engagierte Arbeit.

Kreisrätin Gudrun Schammann überbrachte die Grüße und den Dank des Jugendhilfeausschusses. Die Zuwendung, die Pflegeeltern ihren Schützlingen geben, sei „nicht messbar und unbezahlbar“, sagte die Mutter von fünf Kindern. Außerdem schmerze es Pflegeeltern häufig, wenn die Kinder in ihrer Obhut – oft erst nach langer Zeit – zu ihren leiblichen Eltern zurückkehren könnten. Aber „wenn’s nicht weh tut, dann war’s nichts“, zitierte Schamannn ihren Kollegen Erhard Stephan aus dem Jugendhilfeausschuss. Daher bat sie die Pflegeeltern, weiterhin verlässlich und liebevoll ihrer Aufgabe nachzugehen, zusammenzuhalten und es immer wieder zuzulassen, „dass es beim Loslassen weh tut“.

Der Geschäftsführer des Caritasverbandes im Tauberkreis, Oliver Sitko, versprach den Pflegeeltern Unterstützung auch in der Zukunft. Das Engagement der Pflegeeltern für Kinder, die aus bisweilen sehr schwierigen familiären oder persönlichen Konfliktsituationen zu ihnen kämen, erfordere großen Mut. Dennoch würden Pflegeeltern auch Momente des Glücks empfangen und Freude teilen. „Ich freue mich mit dem und für den Main-Tauber-Kreis, dass es Sie gibt und hoffe sehr, dass Ihr Beispiel ansteckend ist wie das Lachen eines Kindes!“.

Bernhard Bopp, Sozialpädagoge an der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbandes, informierte über die Pflegeelternarbeit, die dort gemeinsam mit dem Jugendamt betrieben wird. Die gemeinsame Arbeit von Beratungsstelle und Jugendamt umfasst offene Treffen zum Erfahrungsaustausch, Vorbereitungstreffen für künftige Pflegeeltern, Qualifizierungen und Fortbildungen, einen Jahresausflug und Einzelberatungen an. Die Zusammenarbeit zwischen Kreisjugendamt und Beratungsstelle sei etwas besonderes und einzigartiges in Baden-Württemberg.

Rüdiger Arendt vom Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS) überbrachte die Grüße dieses überörtlichen Trägers der Jugendhilfe im Land. Er hielt den Festvortrag, in dem er der Frage nachging, was gute Qualität in der Pflegekinderhilfe ausmacht. Vier Felder, auf die es dabei ankomme, machte Arendt aus. „Haltungen einnehmen“ überschrieb er das erste. „Nur gemeinsam sind wir stark“ laute der Leitsatz dieser Haltungen. Das „wir“ umfasse hierbei vier Parteien: die leiblichen Eltern, das Pflegekind, die Fachkräfte des Jugendamtes und die Pflegefamilie.

Als zweites Feld nannte Arendt die Notwendigkeit, die Lebenswirklichkeit und das Kindeswohl ein Einklang zu bringen. Die Arbeit mit der Herkunftsfamilie könne das Ziel haben, die Rückkehr des Kindes oder Jugendlichen zu den leiblichen Eltern vorzubereiten. Wenn dies nicht möglich sei, sei es die Aufgabe des Jugendamtes, die Eltern beim Loslassen von ihrem Kind zu unterstützen. „Sie sollten in die Lage versetzt werden, ihrem Kind die Erlaubnis zu geben, in einer anderen Familie zu leben und ihm die Botschaft zu vermitteln, dass dies das Beste für das Kind und für sie selbst ist.“

Arendts dritte Forderung war, dem Recht des Pflegekindes auf die Förderung seiner Entwicklung und auf die Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zum Durchbruch zu verhelfen. Von besonderer Bedeutung für das Gelingen von Pflegeverhältnissen sei, dass Pflegeeltern und Herkunftseltern sich nicht gegenseitig abwerten und alles unterlassen, was einer Zusammenarbeit zum Wohle des Kindes entgegenwirkt. „Es muss von den beteiligten Familiensystemen anerkannt werden, dass die Kinder oder Jugendlichen in Vollzeitpflege immer Kinder mit zwei Familien sind.“

Viertens gab Arendt unter dem Motto „Die Verantwortung für ein Kind teilen“ Hinweise zur Zusammenarbeit. Wenn leibliche Eltern, Pflegeeltern und Fachkräfte des Jugendamtes zum Wohle des Pflegekindes zusammenarbeiten sollten, dann setze dies drei Dinge voraus: Die Beteiligten müssten ihre jeweiligen Aufgaben und Rollen ernst nehmen; sie müssten gemeinsam eindeutige Ziele festlegen und angehen, und sie müssten klare Absprachen treffen und einhalten.

Nach dem Festvortrag folgte die Ehrung der Pflegeeltern, die ihre Aufgabe seit zehn bis 28 Jahren engagiert wahrnehmen. Im Anschluss lud das Landratsamt noch zu einem Stehempfang. Der Abend wurde von einem Streichquartett der Richard-Trunk-Musikschule stilvoll musikalisch umrahmt.

Die geehrten Pflegeeltern im Überblick

Bei der Feier zum 15-jährigen Bestehen der Pflegeelterngruppe im Main-Tauber-Kreis wurden folgende Eltern für ihr zehn bis 28 Jahre langes Engagement geehrt:

Für 10 Jahre: Hilda und Gerhard Ederer, Grünsfeld; Markus und Birgit Weidenmüller, Creglingen

Für 11 Jahre: Liselotte und Albert Pfeifer, Wertheim; Maria und Mircea Praiu, Bad Mergentheim; Wolfgang und Ulrike Pleninger, Wertheim

Für 12 Jahre: Gaby und Hans- Peter Wilhelmi, Boxberg; Wilfried Haun und Friederike von Saucken-Haun, Boxberg; Sybille Fries-Mauer und Dieter Mauer, Grünsfeld

Für 13 Jahre: Petra und Jürgen Göbet, Großrinderfeld; Francisca und Johannes Michel, Grünsfeld; Martina Ludwig-Löffler, Lauda-Königshofen; Claus-Werner und Hannelore Gacek, Bad Mergentheim; Sabine und Martin Zeller, Bad Mergentheim

Für 14 Jahre: Gabriele und Robert Barth, Tauberbischofsheim; Gabriele Zöller, Boxberg; Alfred und Gabriele Kretschmer, Igersheim; Mike Lorenz, Igersheim; Ursula Feselmeier, Bad Mergentheim

Für 15 Jahre: Ursula und Reiner Müller, Wertheim; Birgit und Dieter Schill, Igersheim; Heike Ponge, Bad Mergentheim; Elke und Norbert Mohr, Bad Mergentheim; Günter und Gisela Schumacher; Wertheim.

Mehr als 15 Jahre: Helmut und Elisabeth Wolf, Wertheim (20 Jahre); Maria und Joachim Uihlein, Külsheim (18 Jahre); Annerose und Harry Hörner, Werbach (19 Jahre); Barbara und Karl Vogel, Werbach (28 Jahre); Berta und Franz Reinhardt, Bad Mergentheim .

Mitteilung von:

Landratsamt Main-Tauber-Kreis
Gartenstraße 1
97941 Tauberbischofsheim
Telefon 09341/82-5612
Telefax 09341/82-5690,
Markus Moll, Pressestelle
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