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„Neue Galerie“ vor rund 80 Gästen eröffnet – Erste Ausstellung widmet sich Sühnekreuzen in Bildern und Skulpturen

Dieser Eintrag stammt von admin Am 6.4.2007 @ 19:34 In Kultur, Veranstaltung, Verwaltung | Kommentarfunktion deaktiviert

Wertheim. „Es war eine gute Idee, im Kloster Bronnbach einen Raum zu schaffen, in dem die Kunst dauerhaft eine Heimat erhält“: Dieses Fazit zog Landrat Reinhard Frank vor rund 80 Zuhörern bei der Eröffnung des neuen Galerieraums in der früheren Zisterzienserabtei, die heute dem Main-Tauber-Kreis gehört. Die „Neue Galerie“ ist allerdings nicht nur ein neuer Ausstellungsraum, sondern beinhaltet auch eine neue künstlerische Konzeption.

Unter anderem werden die Ausstellungen innerhalb eines Jahres stärker als bisher unter ein gemeinsames Motto gestellt – 2007 ist „Das Kreuz in der Kunst der Moderne“ das Leitthema. Zunächst zeigt nun bis zum 20. Mai Gerhard Frank aus Crailsheim Sühnekreuze in Bildern und Skulpturen. Die Gestaltung des Ausstellungsraumes erfolgte aus Kostengründen mit recht einfachen Mitteln und mit der unentgeltlichen Unterstützung durch Firmen und Schüler des Berufsschulzentrums Wertheim. „Dieses Engagement zeigt, dass das Kloster in besonderer Weise in der Bevölkerung verankert ist“, sagte Landrat Frank erfreut.

Gesegnet wurde der neue Ausstellungsraum von Pater Georg, einem der vier Patres der Missionare von der Heiligen Familie, die derzeit im Kloster Bronnbach leben und arbeiten. Er sprach über die Bedeutung des Kreuzes, dessen horizontale Dimension die Verbindung der Menschen untereinander darstelle, während die vertikale Dimension die Verbindung der Menschen zu Gott widerspiegele.

Manfred Koch, Vorsitzender des Crailsheimer Kunstvereins, führte anschließend in die Ausstellung ein. Er erläuterte die Bedeutung der geheimnisumwitterten Erinnerungs- und Sühnekreuze, der steinernen Zeugen in der Landschaft. Im Mittelalter seien diese aus Anlass von Totschlagstaten und später als Gedenkkreuze für plötzlich ums Leben gekommene Menschen errichtet worden. In der damaligen, unruhigen und staatlich ungefestigten Zeit habe die Kirche gegen die Unordnung angekämpft und dabei auf germanische Volksrechte zurückgegriffen. Danach wurde der Mord als geplante und heimtückische Tat öffentlich bestraft, der Tatschlag im offenen Streit konnte dagegen durch einen Vergleich geschlichtet werden, der in einem Sühnevertrag festgehalten wurde. Der Täter zahlte „Wergeld“ als Schadensersatz, musste die Hinterbliebenen versorgen, ließ Messen lesen für das Seelenheil des Getöteten, und die Hinterbliebenen verzichteten dann auf Rache.

Wie Koch erläuterte, weisen die Haller Gegend, besonders aber der Main-Tauber-Kreis die größte Dichte an noch erhaltenen Sühnekreuzen auf – 110 seien es alleine im Main-Tauber-Kreis. Die Zahl solcher Kreuze habe sich in den vergangenen Jahren stark verringert: „Man ging achtlos mit den steinernen Zeitzeugen um“, sagte Koch. Erst allmählich habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Sühnekreuze einen untersetzlichen ortsgeschichtlichen Wert haben.

In der hiesigen Region habe Wilhelm Frank aus Crailsheim, der Vater des Künstlers Gerhard Frank, als einer der ersten die Bedeutung der Steinkreuze erfasst und in den 1950er Jahren die Sühnekreuze im Altkreis Crailsheim registriert und fotografisch dokumentiert. In seiner Tätigkeit als Denkmalpfleger, Gemeinde- und Kreisrat sowie Landtagsabgeordneter habe er sich immer wieder für die Erhaltung und den Schutz der Kreuze eingesetzt. Wilhelm Franks Sohn Gerhard, für die Besonderheit und Einmaligkeit der Kreuze sensibilisiert und von ihnen begeistert, habe dann im Frühjahr und Sommer 1996 45 Kreuze porträtiert – stets am jeweiligen Standort in der Natur, nicht im Atelier. Frank habe die Monumentalität der Kreuze im künstlerischen Ausdruck noch verstärkt, lasse die Kreuze das Bildformat sprengen, Köpfe und Arme der Kreuze an die Bildränder stoßen. Genau wie keines der steinernen Sühnekreuze die Jahrhunderte unbeschädigt überstanden habe, sei auch keines der Frankschen Kreuze vollständig: „Sie scheinen im Boden zu versinken, aus dem Bild zu kippen, sie weisen Verletzungen auf, oft fehlen ihnen ganze Stücke. Dadurch spricht das, worauf sie verweisen, direkt aus ihnen: Jemand hat Leid erfahren, ist verletzt oder gar getötet worden.“ Wie Koch weiter erläuterte, habe Gerhard Frank, inspiriert durch die Arbeit an den Kreuzbildern, anschließend auch Kreuz-Skulpturen geschaffen, in denen er „Mahnmale für die Verfehlungen und Sünden der heutigen Zivilisation“ sehe – zum Beispiel das „Judenkreuz“, gebildet aus einer Bahnschwelle und einem Stück Schiene, das an die Deportation von Millionen Juden zur Zeit des Nationalsozialismus erinnere.

Die Ausstellungseröffnung wurde von einem Blechbläserensemble der Musikschule Külsheim mit festlicher Barockmusik umrahmt.

INFO

Die Ausstellung „Sühnekreuze“ kann bis Sonntag, 20. Mai, während der üblichen Klosteröffnungszeiten besichtigt werden. Der Eintrittspreis von drei Euro berechtigt auch zur Klosterbesichtigung. Weitere Informationen gibt es beim Kloster Bronnbach, Verwaltung im Prälatenbau, unter der Telefonnummer 09342/9352021, E-Mail: [1] kultur@main-tauber-kreis.de, oder im Internet unter [2] www.kloster-bronnbach.de.

Mitteilung von:

Landratsamt Main-Tauber-Kreis
Gartenstraße 1
97941 Tauberbischofsheim
Telefon 09341/82-5612
Telefax 09341/82-5690,
Markus Moll, Pressestelle
pressestelle@main-tauber-kreis.de
[3] www.main-tauber-kreis.de


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