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Jahresbilanz der Südwestwirtschaft 06: 3,5 % Wachstum
Dieser Eintrag stammt von admin Am 6.2.2007 @ 10:24 In Allgemein | Kommentarfunktion deaktiviert
Stuttgart/Heilbronn. So stark wie im letzten Jahr war die Südwestkonjunktur schon lange nicht mehr. Im Jahr 2006 erfuhr die baden-württembergische Wirtschaft einen ausgesprochen kräftigen Aufschwung und konnte preisbereinigt um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegen.
Nach Dr. Gisela Meister-Scheufelen, der Präsidentin des Statistischen Landesamtes und Vorsitzenden des Arbeitskreises »Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder«, die heute das Wirtschaftswachstum 2006 auf Länderebene der Presse vorstellte, ist das die kräftigste konjunkturelle Belebung seit dem Boomjahr 2000 (+ 3,7 Prozent) und die zweithöchste Wachstumsrate der letzten 15 Jahre. Der Südwesten schnitt damit beim Wirtschaftswachstum erneut deutlich besser ab als Deutschland insgesamt (+ 2,5 Prozent) und die meisten anderen Bundesländer. Dank der glänzenden Konjunktur hat sich die Beschäftigungslage deutlich verbessert. Meister-Scheufelen: »Endlich hat die Wachstumsdynamik auch den Arbeitsmarkt erreicht und mit einer Zunahme um rund 37.000 Erwerbstätige erstmals nach 2001 wieder zu einem neuen Beschäftigungshöchststand im Land geführt«.
Baden-Württemberg im Ländervergleich mit zweithöchstem Wachstum
Mit dem Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,5 Prozent belegt Baden-Württemberg im Länderranking 2006 nach Sachsen, das 4,0 Prozent erzielte, den zweiten Platz, gefolgt von Hamburg mit + 2,9 Prozent auf Rang drei. Eine ebenfalls höhere Konjunkturdynamik als der Bundesdurchschnitt erreichten Sachsen-Anhalt (+ 2,8 Prozent) und Thüringen (+ 2,6 Prozent) auf den Rängen vier und fünf. Unter den fünf Ländern mit überdurchschnittlich hohem Wirtschaftswachstum waren im Jahr 2006 somit drei neue Bundesländer vertreten. Erstmals wieder wie zuletzt im Jahr 2001 lag das preisbereinigte Wirtschaftswachstum in Baden-Württemberg 2006 deutlich über dem EU-Durchschnitt und konnte selbst an das anhaltend hohe Wachstumstempo der US-Wirtschaft aufschließen. Die ehemals 12 Länder der Eurozone kamen im vergangenen Jahr auf durchschnittlich + 2,7 Prozent, der höchste Zuwachs seit dem Jahr 2000, und die EU 25 insgesamt auf ein preisbereinigtes Plus von 2,8 Prozent. Zum Vergleich: Die US-Wirtschaft wuchs 2006 um + 3,3 Prozent und erreichte wie Japan (+ 2,1 Prozent) nur ein leicht höheres Wirtschaftswachstum als im Jahr zuvor.
In jeweiligen Preisen erhöhte sich das baden-württembergische BIP, die insgesamt im Land erbrachte wirtschaftliche Leistung, im Jahr 2006 auf gut 337 Mrd. Euro (+ 3,5 Prozent). Gemessen an der Wirtschaftsleistung ist der Südweststaat somit das drittstärkste Bundesland. Ein höheres BIP wiesen nur Nordrhein-Westfalen (501 Mrd. uro) und Bayern (408 Mrd. Euro) auf. Zusammen erwirtschafteten diese drei Länder 2006 mehr als die Hälfte des gesamtdeutschen Bruttoinlandsprodukts.
Wachstumsmotor Südwestindustrie – »Made in Baden-Württemberg« weltweit gefragt
Für die Südwestindustrie verlief die wirtschaftliche Entwicklung 2006 außergewöhnlich gut. Im Verarbeitenden Gewerbe nahm die preisbereinigte Bruttowertschöpfung, ein Maß für die gesamtwirtschaftliche Aktivität, im Vergleich zum Vorjahr um knapp 7 Prozent zu. Die mit einem Anteil von einem Drittel an der gesamten Wirtschaftsleistung Baden-Württembergs sehr bedeutsame Industrie war damit zentraler Wachstumsmotor des Landes und trug wesentlich zu dem vergleichsweise besseren Abschneiden Baden-Württembergs in 2006 bei. Wichtiger Tragpfeiler der hiesigen Wirtschaft war dabei einmal mehr der Export. Die preisbereinigten Auslandsumsätze der Industrie stiegen um beachtliche 10 ½ Prozent gegenüber dem Vorjahr. Industrieprodukte »Made in Baden-Württemberg« sind nach wie vor weltweit sehr gefragt.
Doch auch die Binnenwirtschaft hat im abgelaufenen Jahr wieder Fahrt aufgenommen. So zeigten sich die preisbereinigten Inlandsumsätze der Industrie mit einem deutlichen Plus von 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gut erholt. Ein Wachstum in dieser Größenordnung gab es zuletzt 1998. Mit insgesamt 7 ½ Prozent Umsatzplus im Vorjahresvergleich erreichte die Südwestindustrie 2006 eine Umsatzsteigerung vergleichbar der Entwicklung im Boomjahr 2000. Dabei konnten insbesondere die Hersteller von Investitionsgütern kräftige Umsatzzuwächse (+ 9 Prozent) verbuchen. Von den bedeutenden Industriebranchen des Landes erreichte der Fahrzeugbau 2006 mit einem Plus von 11 ½ Prozent den höchsten Anstieg, zu dem maßgeblich die Exporterlöse (+ 15 ½ Prozent) beitrugen. Überdurchschnittlich gestiegen sind die Gesamtumsätze auch im Bereich Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, Elektrotechnik, Feinmechanik und Optik (+ 9 Prozent). Der Maschinenbau entwickelte sich mit einem Plus von 8 Prozent wie der Durchschnitt aller Industriebranchen.
Gestützt von der dynamischen Entwicklung der heimischen Industrie trugen auch die eher binnenwirtschaftlich orientierten Dienstleistungsbereiche Verkehr und Nachrichtenübermittlung, einzelne Großhandelssparten, das Gastgewerbe sowie die Unternehmensdienstleister positiv zur Wirtschaftsentwicklung im Jahr 2006 bei. Selbst das Baugewerbe konnte von der hohen Investitionsneigung sowie Sondereffekten wie z.B. der bevorstehenden Mehrwertsteuererhöhung 2007 profitieren und scheint sich nach jahrelangem Abwärtstrend spürbar erholt zu haben.
Wachstumsdynamik erreicht Arbeitsmarkt
Dank des kräftigen Konjunkturaufschwungs fällt nach Feststellung des Statistischen Landesamtes die Arbeitsmarktbilanz für das Jahr 2006 spürbar positiver aus als in den vergangenen Jahren. Ersten vorläufigen Berechnungen zufolge stieg die Zahl der Erwerbstätigen in Baden-Württemberg jahresdurchschnittlich um rund 37 000 bzw. 0,7 Prozent auf gut 5,44 Millionen und erreichte nach 2001 erstmals wieder einen neuen Höchststand (2001: 5,43 Mill. Erwerbstätige). In der aktuellen Entwicklung zeigt sich auch ein größeres Vertrauen der Arbeitgeber in den konjunkturellen Aufschwung, was sich darin äußert, dass die Zahl der Erwerbstätigen im Jahr 2006 mehr als viermal so stark zugenommen hat wie im Vorjahr (+9 000 Erwerbstätige) und dass die Zunahme der Erwerbstätigenzahl im vergangenen Jahr in erster Linie von dem Zuwachs an sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen getragen war. Anders als im Jahr 2005, als die Zunahme an Arbeitsplätzen vor allem auf arbeitsmarktpolitische Maßnahmen wie Ich-AGs, Ein-Euro-Jobs sowie auf die Zunahme an Minijobs mit einer Verdienstgrenze von 400 Euro zurückzuführen war, steht die positive Erwerbstätigenentwicklung im Jahr 2006 somit auf einer vergleichsweise sicheren Basis. Mit einem Anteil von knapp 70 Prozent stellen die sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer die mit Abstand größte Berufsgruppe der Erwerbstätigen dar. Insgesamt dürfte der jahresdurchschnittliche Zuwachs an sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmern die Marke von rund 20 000 erreicht haben. Damit standen im Jahr 2006 nach einem über vier Jahre andauernden Abbau an sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen im Land erstmals wieder mehr Personen in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis.
Arbeitsproduktivität 2006 im Südwesten deutlich gestiegen
Wie Meister-Scheufelen abschließend feststellt, hat sich mit dem kräftigen konjunkturellen Aufschwung auch die im Jahresdurchschnitt 2006 erzielte Arbeitsproduktivität in Baden-Württemberg deutlich erhöht. Sowohl gemessen als preisbereinigtes Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen als auch bezogen auf die insgesamt geleisteten Arbeitsstunden stieg die Arbeitsproduktivität in der Südwestwirtschaft um 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit sechs Jahren war die Arbeitsproduktivität je Stunde nicht mehr so stark gewachsen wie in 2006. Im Bundesländervergleich erzielte Baden-Württemberg damit nach Sachsen, mit + 3,3 Prozent auf Rang eins, im Jahr 2006 den zweithöchsten Produktivitätszuwachs. Demgegenüber stieg die Arbeitsproduktivität im Bundesdurchschnitt lediglich um plus 1,8 Prozent beim BIP je Erwerbstätigen bzw. um plus 1,9 Prozent je Erwerbstätigenstunde.
Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart
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